Altersvorsoredepot geeignet? Diese Frage lässt sich nicht allein anhand der staatlichen Förderung beantworten. Ab 2027 eröffnet das Altersvorsorgedepot zusätzliche Möglichkeiten für die staatlich geförderte private Altersvorsorge.
Altersvorsorgedepot geeignet? Förderung allein entscheidet nicht
Das neue Altersvorsorgedepot eröffnet ab 2027 zusätzliche Möglichkeiten für die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Eine stärkere Kapitalmarktorientierung, die neue Zulagenförderung und der erweiterte Kreis der Förderberechtigten können somit das Altersvorsorgedepot für viele Sparer interessant machen.
Ob tatsächlich das Altersvorsorgedepot geeignet und die passende Lösung ist, hängt jedoch nicht allein von der Höhe der staatlichen Förderung ab. Ebenso wichtig sind der Anlagehorizont, die persönliche Risikobereitschaft, bereits vorhandene Vorsorgeverträge und die Frage, wie flexibel sie das angesparte Kapital später nutzten möchten.
Wir zeigen, für welche Personengruppen das Altersvorsorgedepot geeignet und besonders interessant sein kann – und wann ein genauerer Vergleich mit anderen Vorsorgelösungen sinnvoll ist.
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Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?
Der Kreis der unmittelbar Förderberechtigten wird gegenüber der bisherigen Riester-Förderung erweitert. Neben Arbeitnehmern, Beamten und weiteren bereits heute förderberechtigten Personen können daher künftig grundsätzlich auch viele Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke die staatliche Förderung nutzen.
Damit wird die geförderte private Altersvorsorge für Personengruppen geöffnet, die bislang häufig keinen unmittelbaren Zugang zur Riester-Förderung hatten.
Besonders interessant bei kleinen und mittleren Sparbeiträgen
Die neue Förderung ist beitragsabhängig ausgestaltet. Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr beträgt die Grundzulage 50 Cent je eingezahltem Euro. Für weitere Eigenbeiträge bis insgesamt 1.800 Euro nutzen Sie 25 Cent je Euro.
Bei einem Eigenbeitrag von 360 Euro ergibt sich damit bereits eine Grundzulage von 180 Euro. Wer den maximal geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro einzahlt, kann eine Grundzulage von insgesamt 540 Euro erhalten.
Gerade bei kleineren Sparbeiträgen entsteht dadurch eine vergleichsweise hohe Förderquote. Das Altersvorsorgedepot kann deshalb auch für Menschen interessant sein, die zunächst nur einen überschaubaren monatlichen Betrag für ihre Altersvorsorge aufbringen möchten.
Altersvorsorgedepot geeignet für Familien mit Kindern; diese können besonders profitieren
Für Familien kann die Kinderzulage einen erheblichen Einfluss auf die Attraktivität des Altersvorsorgedepots haben.
Für jedes förderberechtigte Kind erhält ein Elternteil zusätzlich einen Euro Kinderzulage für jeden selbst eingezahlten Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 300 Euro. Damit sind bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr möglich.
Insbesondere bei mehreren Kindern kann dadurch eine hohe Förderquote entstehen. Dennoch sollten Sie die Entscheidung nicht ausschließlich anhand der Zulagen treffen. Kosten, Anlagestrategie, Laufzeit und die spätere Besteuerung bleiben wichtige Bestandteile der Gesamtbetrachtung.
Altersvorsorgedepot geeignet für Junge Sparer mit langem Anlagehorizont
Für jüngere Menschen kann insbesondere die Möglichkeit interessant sein, innerhalb der geförderten Altersvorsorge stärker am Kapitalmarkt zu investieren.
Wer noch mehrere Jahrzehnte bis zum Ruhestand vor sich hat, verfügt über einen langen Anlagehorizont. Zwischenzeitliche Kursschwankungen können dadurch eher ausgehalten werden und der Zinseszinseffekt kann über einen langen Zeitraum wirken.
Wer zu Beginn des Beitragsjahres das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und die Voraussetzungen erfüllt, kann zudem einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten.
Gerade für junge Sparer kann das Zusammenspiel aus Förderung, langem Anlagehorizont und kapitalmarktorientierter Anlage deshalb interessant sein.
Altersvorsorgedepot geeignet für Selbstständige und Freiberufler
Eine wesentliche Neuerung ist die Erweiterung des förderberechtigten Personenkreises.
Künftig können grundsätzlich auch Gewerbetreibende und bestimmte selbstständig Tätige sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen unmittelbar förderberechtigt sein.
Für Selbstständige eröffnet sich damit eine zusätzliche Möglichkeit, staatliche Förderung mit einer kapitalmarktorientierten Altersvorsorge zu verbinden.
Ob das Altersvorsorgedepot geeignet und gegenüber anderen Möglichkeiten der Altersvorsorge tatsächlich vorteilhaft ist, sollten Sie jedoch individuell prüfen. Gerade Selbstständige benötigen häufig ein höheres Maß an Flexibilität und sollten deshalb auch die eingeschränkte Verfügbarkeit des geförderten Altersvorsorgevermögens berücksichtigen.
Was gilt für Gutverdiener?
Auch für Personen mit höheren Einkommen kann das Altersvorsorgedepot interessant sein. Bei ihnen spielt neben den Zulagen insbesondere die steuerliche Förderung eine Rolle.
Die förderfähigen Beiträge finden im Rahmen des Sonderausgabenabzugs ihre Berücksichtigung. Im Zuge der Günstigerprüfung ermittelt das Finanzamt, ob die daraus resultierende Steuerersparnis höher ist als die bereits gewährten Zulagen. Ist dies der Fall, wird die Differenz zusätzlich steuerlich berücksichtigt.
Mit steigendem persönlichen Grenzsteuersatz kann dieser Effekt an Bedeutung gewinnen. Die tatsächliche Förderquote hängt deshalb nicht nur von der Höhe der Zulagen, sondern auch von der individuellen steuerlichen Situation ab.
Allerdings steht der steuerlichen Förderung die nachgelagerte Besteuerung der späteren Leistungen gegenüber. Ein hoher Steuervorteil während der Ansparphase ist deshalb für sich genommen noch kein ausreichender Grund für das Altersvorsorgedepot.
Für wen ist die Depotvariante besonders geeignet?
Das eigentliche Altersvorsorgedepot verzichtet auf eine Garantie der eingezahlten Beiträge. Dadurch kann ein größerer Teil des Kapitals langfristig am Kapitalmarkt investiert werden.
Das kann insbesondere für Anleger interessant sein, die
- einen langen Anlagehorizont haben,
- Wertschwankungen akzeptieren können,
- höhere Renditechancen nutzen möchten und
- bewusst auf eine vollständige Beitragsgarantie verzichten können.
Wer dagegen großen Wert auf Sicherheit legt und zwischenzeitliche Verluste nur schwer akzeptieren kann, sollte auch die vorgesehenen Garantieprodukte prüfen. Dort können Sie Garantien von 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge vereinbaren.
Das Altersvorsorgedepot ist deshalb nicht automatisch die richtige Variante für jeden Förderberechtigten.
Und wenn der Ruhestand bereits näher rückt?
Je kürzer der verbleibende Anlagehorizont ist, desto genauer sollten Sie prüfen, welche Kapitalmarktrisiken noch sinnvoll getragen werden können.
Wer nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand hat, kann von der neuen Förderung zwar ebenfalls profitieren. Die Vorteile einer langfristigen kapitalmarktorientierten Anlage können sich über einen kurzen Zeitraum jedoch weniger stark entfalten.
Gleichzeitig können größere Kursverluste unmittelbar vor Beginn der Auszahlungsphase schwerer ausgeglichen werden.
In solchen Fällen können Garantievarianten oder andere Vorsorgelösungen besser zur persönlichen Situation passen.
Bestehender Riester-Vertrag: Nicht nur die neue Förderung betrachten
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, sollte die Frage etwas anders stellen.
Entscheidend ist dann nicht nur, ob das neue Altersvorsorgedepot grundsätzlich attraktiv ist, sondern ob es gegenüber dem bestehenden Vertrag tatsächlich Vorteile bietet.
Dabei sollten unter anderem die bisherige Förderung, vorhandene Garantien, Vertragskosten, Rentenfaktoren, die bisherige Wertentwicklung und mögliche Kosten eines Wechsels berücksichtigt werden.
Ein bestehender Riester-Vertrag sollte deshalb nicht allein deshalb aufgegeben werden, weil ab 2027 eine neue Vorsorgemöglichkeit zur Verfügung steht.
Altersvorsorgedepot 2027 – für wen könnte es besonders interessant sein?
| Ausgangssituation | Einordnung |
|---|---|
| Langer Anlagehorizont | gute Voraussetzungen für die Depotvariante |
| Bereitschaft zu Wertschwankungen | spricht für die Depotvariante |
| Kleine und mittlere Sparbeiträge | hohe relative Förderung möglich |
| Familien mit Kindern | Kinderzulagen können Förderquote deutlich erhöhen |
| Selbstständige und Freiberufler | neue Fördermöglichkeit prüfen |
| Höheres Einkommen | steuerliche Förderung mitberücksichtigen |
| Hohes Sicherheitsbedürfnis | Garantievarianten vergleichen |
| Kurzer Anlagehorizont | Chancen und Risiken genauer abwägen |
| Bestehender Riester-Vertrag | Wechsel individuell prüfen |
Unser Fazit: Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot kann insbesondere für Menschen mit einem langen Anlagehorizont interessant sein, die die Chancen einer kapitalmarktorientierten Anlage nutzen möchten. Kleine und mittlere Sparbeiträge sowie Kinder können aufgrund der neuen Zulagensystematik zu hohen Förderquoten führen. Auch für viele Selbstständige entstehen erstmals neue Möglichkeiten der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.
Eine pauschale Empfehlung lässt sich daraus dennoch nicht ableiten.
Förderung ist nur ein Bestandteil einer guten Altersvorsorge. Kosten, Anlagekonzept, steuerliche Behandlung, Flexibilität und die bereits vorhandene Vorsorge müssen ebenso berücksichtigt werden.
Erst wenn die konkreten Produkte der Anbieter vorliegen, lässt sich deshalb beurteilen, für wen das Altersvorsorgedepot nicht nur aufgrund seiner Förderung interessant ist, sondern auch im Gesamtvergleich überzeugt.
Weiterführende Informationen
Altersvorsorgedepot 2027 – alle wichtigen Informationen im Überblick
Grundlagen, Förderung und die wichtigsten Fragen zur neuen privaten Altersvorsorge.
Altersvorsorgedepot 2027 – aktueller Stand und was Sie jetzt wissen sollten
Was bereits beschlossen ist, welche Fragen noch offen sind und wie der weitere Zeitplan aussieht.
Altersvorsorgedepot, ETF-Depot oder fondsgebundene Rentenversicherung?
Förderung, Steuern, Kosten und Flexibilität im Vergleich.
Bestehende Riester-Verträge – behalten, wechseln oder kündigen?
Welche Vertragsmerkmale vor einer Entscheidung geprüft werden sollten.
Bildnachweis:
- Altersvorsorgedepot geeignet: https://unsplash.com/de/fotos/zwei-personen-die-dokumente-an-einem-tisch-durchgehen-MhqUBTxQ3Hw